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Das Chiron – Symbol

Die Mythologie und astrologische Untersuchungen von Chirons Symbolik weisen auf einige Kernaussagen hin, die ich hier vorstellen möchte. Sie haben mir geholfen, den Sinn meines Lebens besser zu verstehen, das ja praktisch von Geburt an von den Symptomen der Neurodermitis und der Umweltsensibilität geprägt war, teilweise verbunden mit heftigen psychischen Krisen und jahrelangen chronischen Depressionen.

Anhand dieses Symbols möchte ich gerne dazu ermuntern, die eigene Verletzbarkeit wahrzunehmen statt zu leugnen, in Zynismus zu verfallen, zu verstecken oder kompensieren, und als etwas zu betrachten, das die Persönlichkeit formt und zum Leben gehört. Chiron steht für den Umgang mit dem Schmerz. Dieser kann unsere Seele vergiften und zu allerlei (selbst-)zerstörenden Verhaltensweisen führen – oder zu einer steten Zunahme von Weisheit, Güte und Heilkraft. Jedes Wesen hat die Wahl…

 

Verletzung

Jeder Mensch trägt eine psychische Wunde bzw. Verletzung in sich. Der erste Schmerz spielt sich spätestens bei der Geburt ab, wenn die Symbiose mit der Mutter in großem Umfang aufgelöst wird. Irgendwann wiederfährt jedem Menschen eine Kränkung, die eine seelische Wunde hinterlässt, die wohl vernarben, aber niemals ganz heilen kann.

Ich finde das ist eine gute Nachricht für das Selbstwertgefühl aller chronisch symptomtragenden Menschen. Denn der Unterschied zwischen ihnen und den sogenannten Gesunden besteht lediglich in der Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit der Verwundung.

 

Was ist „krank“?

Ich vermeide absichtlich das Wort „krank“, weil es meist mechanistisch als „Fehlfunktion“ des Organismus verstanden wird. Was es in meiner Weltanschauung nicht gibt, da kein Lebewesen nach dem mechanischen „Ein-Aus-Prinzip“ funktioniert. Leider wird das mechanistische Konzept nach wie vor von vielen Wissenschaftlern und Ärzten bevorzugt. Aus dieser Perspektive resultieren viele unwürdige bis erniedrigende Situationen, in denen die chironische Wunde der Betroffenen noch zusätzlich verstärkt wird.

Ein nach meiner Meinung visionärer, und deshalb erbittert bekämpfter Mediziner, definiert Krankheit als „sinnvolles biologisches Sonderprogramm“, mit dem ein Prozess, der in der Psyche begann, auf körperlicher Ebene abgeheilt wird. Demzufolge müssen die meisten Symptome auch nicht bio- / chemisch unterdrückt werden, sondern wir können der Natur vertrauen, dass ein solcher Selbstheilungsprozess zur Gesundung führt.

Sehr anschaulich und nützlich finde ich auch die Definition meines Lehrers Walter Lübeck, der Krankheit einfach als Unfähigkeit definiert, für alles zu sorgen, was wir brauchen, um unsere privaten und beruflichen Aufgaben in freudvollem und kraftvollem Zustand ausführen zu können.

 

Schuld(-zuweisung)

Die chironische Verletzung resultiert oft aus konfliktgeladenen Umständen, auf die die verletzte Person keinen Einfluss hatte. Z.B. aus der elterlichen Ablehnung eines unehelichen Kinds. Oder gesellschaftlichen Verletzungen wie dem Holocaust. Später im Leben werden dann Situationen angezogen, die die Wunde immer wieder aufreißen. Betroffene neigen deshalb dazu, andere Menschen oder die Gesellschaft für das eigene Leid verantwortlich zu machen.

Das ist verständlich, aber andererseits können wir keine Heilungsbereitschaft aufbauen, wenn wir nicht bereit sind zu vergeben und vergessen. Das geht dann, wenn wir akzeptieren, dass sich unsere Seele genau diese Lebenssituation ausgesucht hat, um sich optimal entfalten zu können.

Schuldzuweisungen führen in der Regel zur Ablehnung von Verantwortung für die eigene Befindlichkeit. Leider wurden Schuldgefühle in der christlichen Kultur massiv geschürt, was letztlich zur Abgabe der Macht über das eigene Leben an herrschende Institutionen wie den Papst, den Pfarrer, den Staat und seine Vertreter, den Lehrer und den Arzt führte. Ich habe unzählige Menschen – einschließlich mir selbst – in Tests erlebt, bei denen Glaubenssätze wie „Ich erlaube dem Papst, mein Leben zu bestimmen“ nachgewiesen wurden. Auch Menschen, die nicht getauft waren und sich für unreligiös hielten.

Chiron verfiel nicht in Selbstmittleid, sondern suchte nach Mitteln der Linderung. Darüber vergrößerte er sein Wissen in den Heilkünsten. Auch seelische Wunden können mit natürlichen Heilmethoden behandelt werden. Ich wünsche mir, dass jeder Mensch im nahen Familien- oder Freundeskreis jemanden hat, der solche Methoden kennt. Oft sind gerade diejenigen die Heiler, die einen prominenten Chiron im Geburtshoroskop aufweisen, mit einer besonders intensiven Verwundbarkeit und Verletzungsproblematik.

 

Zurückweisung

Der Mythos erzählt von der Abwesenheit des Vaters und Verstoßung Chirons durch die Mutter. Nun hätte Chiron zum Frauenhasser werden können, doch das war nicht der Fall. Er ließ sich auf die Liebe ein, und heiratete die Quellnymphe Chariklo, mit der er mehrere Kinder zeugte und ein glückliches Leben führte. Das weißt darauf hin, dass der soziale Kontext unserer Verwundung auch das Heilungspotential beinhaltet.

Allerdings kann es auch notwendig sein, zeitweise oder für immer, dass die Ursprungsfamilie oder das ganze Mileu verlassen werden muss. Verwundung führt zu einer besonderen Anhaftung an die Person, die sie zugefügt hat.

Es gibt heilende Beziehungen, bei denen bestimmte Aspekte der Verwundung geheilt werden können. Ebenso gibt es verletzende Beziehungen, bei denen ähnliche Strukturen und Verhaltensweisen vorherrschen, die in der ursprünglichen verletzenden Beziehungsstruktur vorhanden waren. Der heilende wie der verletzende Aspekt können kombiniert auftreten, und manchmal zu extremen Abläufen führen.

In einer anderen Version des Mythos kehrt Chirons Mutter zu ihm zurück und lebt zusammen mit seiner Familie in der Höhle. Ein Symbol für die Integration der hellen (Chariklo) und dunklen Seite (Phillyra) der Weiblichkeit in die Persönlichkeit.

 

Gewalt

Chiron steht für starke archaische Triebkräfte, die zu gewaltigen Selbstheilungskräften werden können, wenn die Verletzung angenommen wird. Oder zu gewalttätigen Ausbrüchen, wenn wenn kein sinnvoller Umgang mit Wut und sexueller Energie gefunden wird.

 

Warten

Nicht Du sollst entscheiden, Deine Seele kann das besser. Vor allem, wenn Du sie nicht mit Zweifeln, Selbstdefinitionen und falschen Illusionen zuschüttest. Das Geheimnis liegt darin zu sagen „Ich warte“. Deine Seele wird eine Entscheidung treffen wenn das so nötig ist.

Die chironische Verletzung kann niemals völlig aufgelöst werden, und sie kann nicht schnell gelindert werden. Sie kann nur befriedet werden, indem sie als Bestandteil des eigenen Lebens akzeptiert, und mit Geduld liebevoll versorgt wird. Auf diese Weise, in einer abwartenden Haltung, sorgt unsere innere Heiler-Teilpersönlichkeit, unser Chiron, in rhythmischen Abständen für heilende Impulse und Gelegenheiten. Gerade das Abwarten, das Aushalten und akzeptieren der Wahrheit unserer Identität, kann uns zu heilen und für Andere heilsamen Persönlichkeiten reifen lassen.

 

Der verletzte Heiler – Der Schamane

Ersteres Stichwort wird in vielen astrologischen Texten als Charakterisierung Chirons gewählt. Offenbar macht uns die eigene Verletzung zum Heiler, doch zumindest schafft sie, wenn wir wollen, einen Weg der Gleichheit, von Verständnis und Mitgefühl unter uns Menschen.

Die Integration animalischer Anteile, wilder, aggressiver, sexueller Energien und Primärbedürfnisse schlagen genauso eine Brücke zu schamanischer Praxis, wie der Umgang mit Schmerz. Er wird in vielen schamanischen Initiationen genutzt, um Einheit herzustellen, aus der letztlich alle Heilkräfte bezogen werden. In meiner schamanischen Praxis pflege ich intensiven Kontakt zu Tiergeistern, den Krafttieren. Sie sind weise, humorvoll, liebevoll und mächtig. Sie erinnern mich oft an Kinder, die noch ganz selbstverständlich mit den animalischen Kräften umgehen können. Nicht umsonst heißt es in vielerlei Quellen „Werdet wie die Kinder“. Sie sind oft wahre Meister der Vergebung, der Liebe und Hingabe an das Leben.

Da der Text ziemlich lang geworden ist, werde ich in einem dritten Teil auf meine Praxis mit chironischen Strukturen eingehen.

Hier schließe ich nun ab mit einem Satz von Walter Lübeck (sinngemäß):

Wenn Du die Wahl hast, mit 300 km/h durch die Landschaft zu rasen, immer vorbei an den wichtigen Zielen, oder in die richtige Richtung zu kriechen, dann krieche!“

Als ich mit kriechen begann, war ich fast 30 Jahre alt und der laufende Chiron bildete einen 135°-Winkel zum Chiron in meinem Geburtshoroskop. Das war vor rund 15 Jahren, und mittlerweile kann ich sagen, dass ich nicht mehr krieche, sondern schon aufgestanden bin, und gemessenen Schrittes meinen Weg gehe. Rasen will ich nicht mehr, wozu auch und wohin? Nun gut, zumindest nicht immer 😉 Die Schönheiten des Lebens wollen genossen werden, und das hat seine angenehme Zeit, und zwar jetzt, jeden Tag.

 

 

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