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Hochpotenz – Homöopathie

Eine besondere Schule der Homöopathie nennt sich die „Kreative Homöopathie nach Antonie Peppler®“. Die Vorgehensart dieser Heilkunde unterscheidet sich erheblich von der klassischen Homöopathie, und die Begründerin der Lehre nennt einige doch recht verlockende Vorteile.

Da sich mein Blog auf persönlichen Erfahrungen stützt, erhebe ich auch hier keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder Fehlerfreiheit in meinen Ausführungen, sondern gebe das wieder, was ich erfahren und wie ich es  wahrgenommen habe, ohne umfassenden Recherche-Hintergrund.

Vor einigen Monaten habe ich Antonie Peppler persönlich kennen gelernt, durfte dabei einige faszinierende Dinge lernen, und kürzlich habe ich einen Arzt in Münster gefunden, der mich nun nach ihrer Methode behandelt. Im Seminarzentrum-Shop meines spirituellen Lehrers Walter Lübeck habe ich schon seit einigen Jahren immer wieder mal in Antonie Pepplers Bücher hineingeschnuppert, und war angetan von ihren für mich Laien verständlich ausgeführten Erklärungen der Mittel und psychosomatischen Hintergründen körperlicher und emotionaler Symptome.

 

Antonie Peppler

          Antonie Peppler

Psychosomatischer Schwerpunkt

Da sind wir schon bei einem interessanten Merkmal der KH – es wird ausgiebig auf psychische Symptomen und Wirkungsweisen eingegangen. Soweit ich es verstanden habe mehr als die klassische Schule nach dem Begründer der Homöopathie, Samuel Hahnemann. Vielleicht hat diese Entwicklung auch etwas mit der Zeitqualität zu tun, dass wir heute viel mehr Probleme mit komplexen Krankheitsbildern haben, die eine verstärkte psychosomatische Komponente aufweisen.

Die „Symptomsprache des Körpers“ wird lt. Pepplers Aussagen gründlich beachtet. Damit ist gemeint, dass jeder Körperteil einen Bezug zur Psyche hat, und wenn da ein Symptom auftaucht, dann hat das Symptom auch eine psychische Bedeutung.

 

Dazu ein Beispiel:

Kurz nach meiner ersten Sitzung bekam ich eine Entzündung im Nagelbett des rechten Daumens. Nachdem einmal etwas Eiter ausgetreten war, heilte es wieder. Mein Arzt interpretierte den Vorgang dann nach der Symbolsprache (als Botschaft des Körpers) so: „Ihr Daumen steht für den Wunsch nach Unterstützung. Auf der rechten Seite bezieht es sich auf den Vater (links wäre die Mutter). Die Entzündung steht für die Wut, dass sie in der aktuellen Situation ihre Energie zurückhalten, und immer noch auf die Unterstützung durch den Vater warten.“

Solche Aussagen triggern Erinnerungen und Gefühle an und fördern, zumindest bei mir, die Heilungsbereitschaft und Entschlossenheit zur Veränderung entsprechender Verhaltensweisen. Im Rahmen der ersten Behandlungsgespräche wurde eine Reihe von Themen auf diese Art angesprochen, wobei jedes Thema und jedes Symptom einem oder mehreren homöopathischen Mitteln zugeordnet wurde. Jedoch wurden längst nicht alle Symptome so besprochen, die Behandlung stellt keine Psychotherapie dar. Das wesentliche Wirkelement sind die homöopathischen Arzneien. Dabei gibt es „große Mittel“, die sehr weitreichende und komplexe Wirkungsspektren aufweisen, und „kleine Mittel“, die ganz spezielle Symptome betreffen.

 

Mehrere Mittel auf einmal

In der klassischen Homöopathie wird meist nach einem einzelnen Mittel gesucht, das dann eine zeitlang verabreicht, und schließlich durch ein anderes Mittel ersetzt wird. Nach längerer Behandlungszeit soll dann ein sogenanntes „Konstitutionsmittel“ gefunden werden, das wie eine Art Allheilmittel für den Patienten wirkt, weil seine Charakteristik dem betreffenden Menschen sehr ähnlich ist.

In der „Kreativen Homöopathie“ werden hingegen viele Mittel auf einmal verabreicht. Hier gilt eher das genau umgekehrte Prinzip, dass der Behandler möglichst alle in Frage kommenden Mittel herausfinden und verabreichen soll. Dieser Cocktail an homöopathischen Mitteln nennt man Komplexmittel. Für manche Symptomgruppen (z.B. bestimmte Erkrankungen in der Vergangenheit, wiederkehrende Symptome in der Familiensippe etc.) gibt es auch fertige Mischungen, auf die der Behandler zurückgreifen kann.

Was ist das Besondere an homöopathischen Heilmitteln?

 

Ähnliches wird durch Ähnliches geheilt

… so lautet das wichtigste von Samuel Hahnemann formulierte Prinzip, nach dem homöopathische Arzneien funktionieren. Der Ausgangsstoff für ein solches Medikament kann alles sein. Einzelne chemische Elemente, Mineralien, Pflanzen, Stoffe die von Pflanzen und Tieren produziert werden (z.B. Schlangengifte) und sogar Krankheitserreger (sie bilden eine besondere Gruppe). Vereinfacht gesagt gilt das Prinzip, dass z.B. eine Infektion durch die Gabe des auslösenden Bakteriums geheilt wird, in stark verdünnter (homöopatisierter) Form.

Es gibt mehrere tausend Mittel, und zu jedem dieser Medikamente existiert eine Beschreibung, welchen körperlichen, geistigen und seelischen Befindlichkeiten und Charaktereigenschaften das Mittel ähnlich ist, also ggf. helfen kann. So eine Beschreibung liest sich wie eine Art Charakterbeschreibung. Anders als bei den allopathischen Medikamenten (also die chemischen Heilmittel der zeitgenössischen Schulmedizin) wird im Beipackzettel bzw. der Mittelbeschreibung in den einschlägigen Fachbüchern, keine Angabe gemacht, gegen welche Krankheiten das Mittel helfen soll.

Der Homöopath vergleicht also eher den Menschen mit seiner Vielzahl von Eigenschaften mit den Heilmitteln (die er kennt und nutzt …. das sind nicht zwingend alle Mittel die es gibt, und es werden auch ständig neue Mittel entwickelt). Die Grundlage für diesen Vergleich ist die Erstanamnese. Dafür gibt es ausführliche Fragebögen, nach denen z.B. alle Krankheiten erfragt werden, die der Patient jemals hatte und auch Erkrankungen in der Familie und der Vorfahren.

Soweit ich weiß, nutzen Behandler der Kreativen Homöopathie in der Regel ein Computerprogramm, in dem die vielen Mittel in einer Datenbank gespeichert sind, für ihre Auswahl. Mein Arzt hatte beim Erstgespräch auch eine dicke Mappe auf dem Schreibtisch liegen, die viele kleine Röhrchen mit den Mitteln enthielt.

 

Informations – Medizin

Neben der oben beschriebenen Qualität gibt es in der Homöopathie auch eine Art von Dosis. Diese hängt aber nicht von der verabreichten Menge ab, sondern von der Konzentration des Ausgangsstoffes in Alkohol. Die Konzentration wird „Potenz“ genannt. Bei homöopathischen Potenzen verhält es sich völlig anders als bei der Dosierung allopathischer Heilmittel. Hier gilt das Prinzip: Je höher der Verdünnungsgrad desto tiefer geht die Wirkung!

Homöopathie ist ein Zweig der Informationsmedizin. Der Ausgangsstoff wird bei der Herstellung der Medikamente so weit in Alkohol verdünnt, dass er bei den Hochpotenzen nicht mehr chemisch nachgewiesen werden kann. Trotzdem ist die Schwingung darin enthalten als Information. Sie wird auf einer quantenphysikalischen Basis gespeichert. Ein solches Heilmittel beeinflusst meiner Meinung nach das Nervensystem, das Wasser im Körper, und wird auf einer geistigen Ebene vom Menschen wahrgenommen. Übrigens funktioniert es auch bei Pflanzen und Tieren!

Das Überschreiten der Grenze zur chemischen Nachweisbarkeit des Wirkstoff ist einer der Hauptgründe, warum die Wirkung der Homöopathie gerne von Naturwissenschaftlern, Medizinern und Mainstream-Medien wie z.B. dem Nachrichtenmagazin Spiegel, belächelt und angezweifelt wird. Häufig wird, auf die massenhaften Erfolge angesprochen, von Placeboeffekten geredet. Ich persönlich halte diese Missachtung von Erfahrungswerten für überheblich, und denke, dass hier auch finanzielle Interessen der Pharmaindustrie eine entscheidende Rolle spielen.

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             Samuel Hahnemann

Hochpotenzen

Wie oben schon erwähnt wirken die Mittel umso tiefer, je höher der Verdünnungsgrad oder, in der Fachsprache, je höher die Potenz des Mittels ist. Es wird hier unterschieden zwischen Niedrigpotenzen (der Stoff ist teilweise noch chemisch nachweisbar), mittleren und hohen Potenzen.

Vereinfacht kann man sagen, dass Niedrigpotenzen hauptsächlich körperlich wirken. Mittlere Potenzen wirken bereits auf die Psyche, und Hochpotenzen eignen sich für die oben beschriebene ganzheitliche Behandlungsweise nach „Konstitutions-Typen“. Hochpotenzen beeinflussen die Wirkung der Seele auf Körper und Geist, man kann geistige Zustände mit ihnen verändern.

In der Hochpotenz-Homöopathie nach Antonie Peppler werden ungewöhnlich hohe Hochpotenzen verwendet, die bei klassischen Homöopathen nur mit großer Vorsicht verordnet werden. Das hat laut Peppler den Vorteil, dass die Heilung wesentlich schneller in Gang kommt. Und sie soll auch nachhaltiger sein, weil Krankheiten und sonstige unangenehmen Symptome nur vollständig heilen können, wenn ihre seelisch-geistige Ursachen behoben werden.

 

Ablauf der Behandlung gemäß “Kreative Homöopathie”

Die Kreative Homöopathie scheint also potentiell schneller, tiefer und gründlicher zu wirken. Im oben verlinkten Video drückt es Frau Peppler so aus: „Ja ich habe Termine frei, denn meine Patienten pflegen gesund zu werden.“ Sehr selbstbewusst, das darf man natürlich nicht als Heilungsversprechen auslegen, denn ein solches zu geben ist illegal. Gesundung darf man im naturheilkundlichen Sinn immer nur ganzheitlich verstehen, nicht als Auflösung eines bestimmten Symptoms oder Erscheinungsfreiheit einer offiziell, also aus schulmedizinischer Sicht, unheilbaren Neurodermitis. Ich glaube jedoch daran, dass es für mich eine Heilung der Neurodermitis gibt, und setze mich dafür ein.

Da die Hochpotenz-Homöopathie sehr auf die geistig-seelische Ebene geht, gefällt mir das Verfahren sehr gut, weil ich mich in meiner eigenen spirituellen Heilarbeit ohnehin schon ständig auf dieser Ebene bewege. Es passt also wunderbar zusammen. Ob es so schnell, tief und gründlich wirkt, wird sich herausstellen. Ich hoffe es natürlich, und meine nun ca. 2 Monate Erfahrung hat definitiv viel gebracht auf angenehme Weise (ohne unangenehme Heilreaktionen).

Vor der Behandlung habe ich einen sehr ausführlichen Anamnesebogen bekommen, in dem ich meine Symptome, Gewohnheiten, Vorlieben, Empfindlichkeiten, familiären Konstellationen, psychische Faktoren, Krankheitsgeschichte persönlich und familiär etc. beschrieben habe. Diesen sandte ich zurück und einen Monat später war dann das Erstgespräch. Das dauerte 21/2 Stunden.

Eine Besonderheit bei der Kreativen Homöopathie ist, dass man schon im Gespräch Röhrchen mit den in Frage kommenden Mitteln in die Hand bekommt. Der Behandler beobachtet dann die Wirkung. Da es sich um energetisch wirkende Mittel handelt, wirkt auch schon das bloße in der Hand halten. Bei einigen der Mittel spürte ich sofort starke Veränderungen meiner Befindlichkeit. So etwas kenne bestens von Bachblüten, Heilsteinen, und spirituellen Heilkräften wie Reiki und Engelenergien.

Am Ende des Gesprächs war ich ziemlich erledigt aber irgendwie glücklich, weil der Arzt während des Gesprächs wirklich sehr tiefgreifende Erkenntnisse über die Ursachen meiner Erkrankungen, meine wichtigsten Konflikte, und viele Nebenaspekte feststellen konnte, die mir bislang nicht so bewusst waren. Ich spürte, und merke auch jetzt durch die Prozesse, die ich in den 2 Wochen durchlaufen habe, dass es sehr gut auf die richtige Spur geht. Und es geht in einer hohen Dynamik ab, die mir gut tut, und die ich in meiner früheren Behandlung in klassischer Homöopathie, und in früheren Psychotherapien, vermisst habe.

Redet man mit manchen klassischen Homöopathen über Hochpotenz-Mittel, haben die meines Erachtens zuviel Respekt oder gar Angst vor den hohen Potenzen. Sie denken, diese Mittel lösen zu starke unerwünschte Heilreaktionen aus (das sind naturheilkundlich im Grunde erwünschte, durch Selbstheilungsprozesse des Körpers und Geistes verursachte akute Symptome, die dann wieder abheilen …. nicht zu verwechseln mit „Nebenwirkungen“). Vielleicht ist das ihre Erfahrung, aber ich kann es bislang nicht bestätigen.

Meine Reaktionen waren eher kleinere Symptome, die kleine erwähnte Entzündung, ein paar mal Einschlafstörungen (die ich aber im „Normalfall“ auch manchmal habe) oder eine leichte Bronchitis. Dafür träume ich jetzt sehr viel öfter und OK meine Psyche ist teilweise unsicher, fragend, forschend… Veränderung liegt eben in der Luft. Alles in allem ist meine Befindlichkeit besser geworden seit der Behandlung, und ich bin in einer Aufbruchstimmung. Habe sehr viel Lust bekommen, konkrete und teilweise überfällige Verbesserungen in meinem Leben anzugehen. Meine Haut ist definitiv besser geworden, das bekomme ich jetzt auch öfter von Bekannten gesagt. Es ist einiges Positives mehr passiert in meinem Privatleben, von dem ich hier erst mal gar nicht schreiben will, da eben privat. Weil es so gut läuft in vielerlei Hinsicht, wollte mein Arzt keine weiteren „Fässer aufmachen“, und hat mir daher erst mal nicht so viele neue Mittel gegeben. Mittlerweile fühle ich mich so stabil, dass ich mir vorgenommen habe, beim nächsten Mal mutig ein paar weitere Altlasten anzugehen.

Youtube Vortrag A. Peppler "Grundlagen der Kreativen Homöopathie"

Wikipedia – Homöopathie
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Die Verwaltung des Mangels

Kriegskinder und Kriegsenkel – Das Thema ist noch lange nicht durch

„Mir geht es ja eigentlich gut.“ ….. „Ich hab Neurodermitis, aber ich kann ja trotzdem fast alles machen.“ …. „Stell Dich nicht so an, Du hast doch alles was Du brauchst.“ …… Beschwichtigung und Verharmlosung, Betriebsblindheit, habe ich feststellen können, sind mir durchaus tief verinnerlichte Strategien geworden, mit denen ich mir das Leben erträglich machen versuche. Geholfen haben sie nicht. Ertragen kann ich offenbar viel.

In Wahrheit raubt mir die Neurodermitis und die Sachverhalte, die sie vermutlich verursachen, die Energie, die dafür nötig wäre, um richtig durchzustarten. Ich bin so gut aufgestellt, dass ich von meinem Wissen und Können locker leben können müsste, in einem erfüllenden Berufsfeld. Mein aktueller naturheilkundlich behandelnder Arzt hat mir Erschöpfungsdepression attestiert. Das nützt mir nur wenig. Am besten geht es mir, wenn ich im Flow bin, mit produktiver Arbeit und guter Freizeitbeschäftigung angemessen gefordert bin, aber nicht zu sehr unter Druck stehe.

Auf der Suche nach Ursachen und neuen Behandlungsansätzen für die Suboptimalitäten des Lebens bin ich über einen glücklichen Umweg auf ein Thema gestoßen, das ich mir die letzten Wochen leidenschaftlich unter die Lupe genommen habe. Die Homöopathin Antonie Peppler äußerte mir gegenüber ihre Annahme, dass eine der Hauptproblematiken für die Männer unserer Gesellschaft, der Weltkrieg sei. Ich fand das spannend und begann mit der Recherche.

„Ganz zufällig“ hielt kurz danach ein Kollege in meiner Praxis einen Vortrag zum Thema „Kriegskinder“, und berichtete von überraschendem Interesse zum Thema. Der Gestalttherapeut meint, das Thema ist jetzt mehr und mehr „dran“ in unserer Gesellschaft. Insbesondere auch von den Kindern der Kriegskinder, also der meinigen, ab ca. 1960 geborenen Generation. Erste Buchtipps und Fernsehbeiträge wurden gesichtet, eine Entwicklung scheint sich anzubahnen in der Psyche der Generation, der auch meine Eltern angehören, ungefähr die Jahrgänge 1930 bis 1945.

Es äußert sich so, dass diese Menschen, die in dem Glauben aufgewachsen sind, dass sie „den Krieg und das Naziregime nicht richtig mitbekommen haben, weil sie ja noch klein waren“, zunehmend traumatische Symptome zeigen. Die „posttraumatische Belastungsstörung“ kann behandelt werden, es gibt dafür mittlerweile sehr wirksame Methoden. Gerade auch seit dem Anschlag auf das World Trade Center am 11. September 2001, denn im Zuge der in diesem Zusammenhang erfolgten Traumabehandlungen wurde das Bild, insbesondere im Hinblick auf die Auswirkungen auf kleine Kinder, bedeutend geschärft. Es zeigte sich z.B. eindeutig, dass ein Kind sogar die Schuldgefühle des Vaters übernahm, die er entwickelt hatte, weil er zwei Freunden, die bei dem Anschlag verstarben, die Arbeitsstelle im World Trade Center vermittelt hatte. Ohne dass je davon gesprochen wurde. Dieses Trauma des Kindes löste sich auf, indem es seine inneren Bilder malte und Therapeuten darüber mit ihm sprachen.

 

Schweigen und Verharmlosen

Ich habe in meinem Bekanntenkreis eine Reihe von Menschen nach ihren Familiengeschichten gefragt. Zum größten Teil wurde über die wesentlichen Geschehnisse geschwiegen. Einige Väter erzählten vom Krieg in Anekdoten und Abenteuergeschichten. Ich hörte einige Geschichten, wie man überleben konnte durch Glück oder Geschick. Ich hörte eine Geschichte von einem Vater, den man als Kind vor die Tür schickte, bevor seine Mutter durch Soldaten vergewaltigt wurde. Im Großen und Ganzen haben wir bei den Gesprächen festgestellt, dass das Thema Krieg fast ausschließlich abstrakt bearbeitet wurde. Von den Familiengeschichten wurden meistens nicht oder nur oberflächlich, oder unter großer Anstrengung  Jahrzehnte später berichtet.

Während ich früher glaubte, dass häufiges Schweigen über Konfliktthemen eine Charakterschwäche in dieser Generation sei, glaube ich jetzt, dass viele Menschen über vieles einfach nicht reden konnten, weil sie durch die Traumatisierung wie eingefroren waren. Dazu kam eine mächtige Sozialkontrolle, wie die Geschichte der Autobiographie von Marta Hillers zeigt, die als Anonyma über die Zeit des Einmarsches der Russen in Berlin berichtete. Sie hat sich als Ausweg vor den wiederholten Vergewaltigungen einen russischen Offizier als Beschützer genommen. Ihr Buch „Eine Frau in Berlin“ erschien 1959, und wurde öffentlich niedergemacht, weil es „die Ehre der deutschen Frau beschmutzt“. Daraufhin zog sie die Veröffentlichung bis zu ihrem Tod im Jahr 2001 zurück, 2003 erschien die Neuauflage, 2008 wurde es verfilmt.

Die Vererbung der Traumata

Die Folge des Schweigens ist einfach, und bitter für alle. Alles was verschwiegen wird, geht über auf die Kinder, die Enkel, die Großenkel und so fort. Der massenhafte psychische Schaden in den Familien, bei den einzelnen Menschen, muss sich gesellschaftlich auswirken. Ausländische Journalisten haben in den 90ern das Phänomen „German Angst“ benannt. Sabine Bode, die einige hervorragende Bücher zu dem Thema geschrieben hat, beschreibt es als ein übersteigertes Sicherheitsgefühl. Dazu kommt das Klima der unterschwelligen Gefühlskälte und jede Menge verdrängte Wut und verdrängte sexuelle Lust. Die Deutschen sind unter der erfolgreichen und wohlhabenden Oberfläche immer noch mit der Verwaltung des (emotionalen und materiellen) Mangels beschäftigt, und das führt nach meiner Vermutung auch zu entsprechendem unsozialen Verhalten.

Ich habe bei den Gesprächen festgestellt, dass viele Personen zunächst distanziert reagierten, in der Annahme, das Thema sei für sie vom Tisch. Nach kürzester Zeit jedoch wurde es bislang jeder der ca. 10 Personen, mit denen ich gesprochen habe, völlig klar, dass auch bei ihm ein psychischer Kriegsschaden vorliegt. Mehr oder weniger stark und mit unterschiedlichen Inhalten. Gefühle wie Trauer, Wut, Angst, Scham, Schuld und Ohnmacht konnte jeder meiner Gesprächspartner spüren.

Und damit wird mir auch klarer, warum ich öfter Wut empfinde, deren Intensität sich nicht allein aus der auslösenden Situation erklärt. Mir wird auch klarer, warum ich eine so starke Bindung an meine Eltern empfinde, denn es gibt das Thema Vertreibung in meiner Familie. Auch warum so gern über Essen gesprochen wurde und warum ich meinen Teller leer essen musste. Es wird klarer, warum das Thema Sex so schwierig ist, und es wird klarer, warum Aggression so weitgehend ein Tabu ist.

Antonie Peppler vermutet: „Die Männer haben vom Krieg die Nase voll. Als Folge werden sie immer schwächer, verleugnen ihre aggressive Kraft, ziehen sich ins Häusliche zurück und büßen allmählich ihre Männlichkeit ein. Sie fallen, z.B. durch Depression oder Krankheit, in eine kindliche Bedürftigkeit. Den Kindern fehlt der Vater und der Mann wird zu einem weiteren Kind. Die Ehe kann so nicht weiter bestehen, wenn die Frau nur noch Mutter und nicht Liebhaberin sein kann.“

Mir wurde durch das Thema klar, dass ich ein paar traumatische Zustände von meinen Vorfahren geerbt habe. Daraus ergibt sich die Chance zu mehr Verständnis für die Sorgen meiner Eltern, und gleichzeitig auch eine klarere Abgrenzung. Das ist für mich wichtig, denn als Kind konnte ich mich nicht von ihren traumatischen Gefühlen distanzieren, und ich denke hier liegt eine Ursache für die Neurodermitis. Es ist eine Überforderung, die mir in die Wiege gelegt wurde, und das Leben ist nicht so grau und trostlos, wie es im Bewusstsein der Kriegskindergeneration erscheinen mag!

Mein Fazit ist: Sehr viel Heilung kann kommen, wenn sich Menschen über das Thema austauschen. Sich die Geschichten ihrer Familien erzählen. Und wenn auch die Kriegskinder sich trauen, ihr Schweigen zu brechen, umso besser! Sie haben viel gearbeitet für den erfolgreichen wirtschaftlichen Aufstieg Deutschlands, und dafür gebürt ihnen Dank und Respekt! Wir Kriegsenkel machen uns auf den Weg, die Wunden zu heilen. Wir sind die Generation, die sich die bislang umfangreichste therapeutische Hilfe sucht, und das ist richtig. Denn wir können diese äußere Sicherheit auf Dauer nicht halten, wenn wir weiter an den alten Ängsten und Wunden festhalten.

Einen Einstieg bildeten vor allem 3 Bücher von Sabine Bode, die ich uneingeschränkt empfehle. Sie sind bestens recherchiert, das Thema wird mit viel Herz und Verstand ausgeleuchtet, mit vielen klug ausgewählten Familiengeschichten.

„Die vergessene Generation“ (das Buch über die Kriegskinder), „Kriegsenkel“ und „Die deutsche Krankheit – German Angst“ (die politische Herausforderung und öffentliche Gedenk- und Trauerkultur u.a.).

 

Doku über die Symptome und Ablauf einer Therapie bei Traumatisierung

 

 

Kriegskinder–Mehrteilige Doku

Anonyma – Eine Frau in Berlin


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