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Totes Meer – Evolution meiner Gesundung Teil 7

Ende August 1998 saß ich im Flugzeug nach Tel Aviv. Der Flug, die Überführung per Bus ans Tote Meer und der Klimawechsel waren eine Provokation für meine Haut. Die Hände schwollen an, entzündeten noch stärker und bildeten tiefe Risse aus. Die ersten Tage war ich erst einmal sehr geschwächt. Alles was sich zu Hause angestaut hatte, schien nun über die Haut offenbar zu werden. Die Hitze und die vielen Mineralien vor Ort wirkten sich als Reizklima erst einmal symptomverschlimmernd aus.

Auf der anderen Seite war ich überglücklich, dass ich überhaupt dort sein konnte. Ich lernte viele Leute mit Hautkrankheiten kennen, die meisten hatten bereits Erfahrung mit dem Toten Meer. Von ihnen wurde ich beruhigt und mir wurde ständig versichert, dass am Ende der Kur alles gut sein würde. Das war die Erfahrung der überwiegenden Mehrheit, und ich glaubte daran.

Eine Kur am Toten Meer ist nicht vergleichbar mit deutschen Kurkliniken. Man lebt im Hotel, zusammen mit Menschen aus der ganzen Welt. Ich war auf der israelischen Seite, wo der größte Teil des Tote Meer – Tourismus abläuft, in einem Ort namens En Bokek, der ausschließlich aus Hotelanlagen, einem Natursolarium und einem kleinen Einkaufszentrum besteht. Die Klinik besteht aus einer dermatologischen Praxis. Dort bekam ich 2-3 mal pro Woche einen Termin, wurde mit Salben versorgt und bekam verordnet, wieviel Zeit ich an der Sonne verbringen sollte bzw. durfte. Also kein Terminstress, sondern eigenverantwortliche Zeiteinteilung.

Der Aufenthalt in der Sonne war die wichtigste therapeutische Maßnahme und wurde von uns Hautkranken als „Arbeit“ ernst genommen und mit schelmischem Einschlag auch so genannt. Das ist jedoch kein Witz, denn es ist durchaus Konsequenz angebracht, bei 25-40°C täglich 5-6 Stunden am Toten Meer in die Sonne zu gehen. Ich wiederholte im 45-60-Minuten – Rhythmus das Ritual Duschen zur Abkühlung, mit 3-5 verschiedenen Cremes und Lotions die Haut versorgen, dann Ich regulierte die UV-Intensität nur über den schattenspendenden Sonnenschirm, und die beschriebene Prozedur. Das Hautkrebsrisiko geht am Toten Meer gegen Null, aufgrund der mineralisierten Athmosphäre, die als UV-Filter wirkt. Ein Sonnenbrand konnte jedoch erhebliche Verschlimmerungen des Hautzustands, und damit einen Heilungszeit-Verlust zur Folge habe. Es war also Achtsamkeit angebracht, die mir auch gelang. Ich bekam keinen Sonnenbrand, und erfuhr eine starke Pigmentierung der Haut, die sich später auch langfristig hielt.

Um 17 Uhr ging aufgrund der Kessellage des Geländes die Sonne unter, danach war „Feierabend“. Das abendliche Hotelbuffet war reichhaltig und lecker. Für mich war es auch nach 4-6 Wochen Aufenthalt noch ein Genuss. Nach dem Essen ging iceh oft aus. Es waren viele Deutsche vor Ort, und ich lernte auch Menschen aus anderen Ländern kennen, Israelis und Palästinenser, Amerikaner, Zyprioten, Engländer und ich weiß nicht mehr woher noch. Es war ein internationales Flair, entsprechend der Bedeutung des Toten Meers als einer der wichtigsten Psoriasis-Kurorte der Welt. Bereits die Römer kurierten dort Schuppenflechte. Heutzutage werden dort außerdem neben Neurodermitis auch Vitiligo, Akne, Sklerodermie, Mukoviszidose, Arthritis, Rheuma und andere Erkrankungen behandelt.

Die Heilwirkung des Toten Meers beruht für Neurodermitiker in erster Linie auf den Mineralien in der Luft. Das Gewässer liegt in einem Kessel, 400 m unter dem Meeresspiegel. An der israelischen Seite steigt das Gelände dann, wenn ich mich richtig erinnere rund 1000 m auf. In diesem Kessel steht eine Dunstwolke, die aus dem Toten Meer gespeist ist, das seinerseits massenhaft Mineralien enthält. Neben den Mineralien enthält die Atmosphäre auch Brom, ein nervenberuhigendes Gas. Das Brom ist deutlich spürbar, ich war die ganze Zeit über in einem verlangsamten, entspannten und gutgelaunten Dämmerzustand, der sich ein wenig wie Müdigkeit anfühlte, ohne dass ich ungewöhnlich viel Schlafbedürfnis hatte.

Durch die vielen Bekanntschaften mit anderen Neurodermitikern, ihre Geschichten, den Erfahrungsaustausch, und meine eigene Erfolgserfahrung machte ich einen großen Bewusstseinssprung. Eines Abends saß ich alleine in der Lobby meines Hotels und beobachtete einfach das Treiben der Gäste. Dabei träumte ich ein wenig weg, und plötzlich wurde ich von einem unglaublichen Glücksgefühl durchströmt. Es war so stark, dass ich meine akut beschädigte und angespannte Haut, die Rhagaden und offenen Stellen, nicht mehr spürte. Ich hatte ein phantastisches Körpergefühl, an das ich mich so überhaupt nicht erinnern konnte. Gleichzeitig spürte ich tief in mir, dass mein Körper in der Lage war, sich komplett zu wandeln und die Neurodermitis zu heilen. Und ich wusste, dass es nur durch mich, durch meine Initiative geschehen konnte. Ich musste mich dafür entscheiden, ohne die Krankheit zu leben, denn irgendeine Instanz in mir hatte sich vor langer Zeit entschieden, Neurodermitis zu bekommen.

Das war wirklich unglaublich, ich entwickelte plötzlich und ohne „Vorwarnung“ eine völlig neue Wahrnehmung. Ich spürte mich intensiver und konnte andere Menschen viel intensiver spüren, konnte mich ganz bewusst in sie einfühlen und bekam dabei ein Feedback von meinem eigenen Körper. Dieses verfeinerte Einfühlungsvermögen konnte ich während meines Kuraufenthalts noch einige Male feststellen, auch von der unangenehmen Seite, denn ich bemerkte auch starke Verwirrung und Wut bei vielen Israelis, die oft nur für ein Wochenende kamen, um sich zu erholen. Und viel Trauer bei den Hautkranken.

Mein „erleuchteter“ Zustand ging wieder vorüber und ich spürte wieder die Haut, die Stellen, die Spannung und das Jucken. Was blieb war jedoch meine Entscheidung, dass ich mich selbst heilen würde. Wer denn auch sonst? Es war einfach glasklar, dass ich mein eigener Heiler war. Es war nur die Frage, wie genau das gehen sollte. Darauf hatte ich noch keine Antwort. Immerhin hatte ich mit der Astrologie bereits einen Weg gefunden, meine Persönlichkeit besser zu verstehen. Und ich hatte die Fähigkeit, mit anderen über meine Probleme zu reden. Das war schon mal mehr als nichts.

Die Abheilung meiner Haut erfolgte langsam aber stetig. Ich bekam nach 4 Wochen noch weitere 2 Wochen Verlängerung. In dieser Zeit hatte ich kaum noch offene Stellen, außer an den Händen. Ich konnte sogar baden im Toten Meer. Das erste Mal brannte die gesättigte Salzlösung noch an einigen Hautstellen, doch nach ein paar Sekunden hörte das Brennen auf. Durch die Bäder nahm meine Haut zusätzlich sehr viele Mineralien auf, so dass sie eine ganz feine Struktur bekam, die gleichzeitig ganz fest war, fast wie Leder. Am Ende der Kur waren auch die Hände abgeheilt und ich hatte den besten Hautzustand meines Lebens. Sie war straff, durchgebräunt, fest und elastisch zugleich und von feinster Oberflächenstruktur, wie ganz feines Leder. Zu Hause erkannten mich die Leute kaum wieder.

Die 6 Wochen am Toten Meer waren die längste Erholungsphase seit meiner Schulzeit. Ich erfuhr dabei, wieviel Spannung und Stress in mir steckten. Es brauchte z.B. ein Feedback von außen, bis ich meinen eiligen Stechschritt verlangsamte. Die „Arbeit“ nahm mich sogar am Morgen nach einer durchgefeierten Nacht in Anspruch, als ich mit einigen Leuten mit Trommeln am Strand saß, und die ersten Sonnenstrahlen erscheinten. Ich hielt sofort meine Hände und mein Gesicht in die Sonne, bis eine Freundin bemerkte „He’s working…“. Das stimmte, ich war innerlich so sehr in meiner Tretmühle gefangen, dass ich nur schwer einfach nur mal Spaß haben konnte. Ich hatte mir ja bereits früher angewöhnt, mit Alkohol und Cannabis für gute Stimmung zu sorgen, und dieses Unvermögen, unbeschwerte Lebensfreude zu genießen, offenbarte sich nun eben auch wieder. Nicht dass ich keinen Spaß gehabt hätte, aber da war noch viel mehr möglich. So wurde das Thema Lebensfreude und ungezwungener Spaß ein wichtiges Feld, mit dem ich mich zukünftig auseinandersetzte. Die erste Kur am Toten Meer war ein Meilenstein, von Stress und Frustration weg und hin zu Gelassenheit und Lebensfreude zu kommen. Das wichtigste war dabei, dass ich Gefallen daran gefunden hatte, an mir zu arbeiten, und meine Selbstheilung in die Hand zu nehmen.


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