Archive for the 'Astrologie' Category

Chiron – Praktische Anwendungen

Mit Mythen wie dem von Chiron lässt sich eine ganze Menge anstellen, um positive Effekte auf die Lebensqualität zu erzielen. Einige möchte ich nun herausgreifen:

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Mit der Geschichte arbeiten

Mythen üben ähnlich wie Märchen und manche Geschichten eine besondere Wirkung auf die Seele aus. Auf die folgende Art kannst Du bewusster mit den Wirkungen solcher heilsamer Geschichten spielen. Sie hilft Dir, das für Dich Wesentliche zu erfassen.

Lies den Text über den Chiron-Mythos durch mit dem Vorsatz, seine für Dich heilsamen Impulse zu erschließen. Lies bewusst und achte auf Deine gefühlmäßigen und körperlichen Reaktionen.

An welchen Stellen fühlst Du Dich besonders bewegt?

Welche Gefühle oder Empfindungen werden angetriggert?

Werden Erinnerungen angeregt? Welche?

Wenn Du den Text einmal gelesen hast, notiere die markanten Stellen und die Antworten zu den obigen Fragen. Notieren ist wichtig, weil Du damit Dein Herz – Gefühle mit dem Verstand verbindest. Denke nach über das was Du notiert hast. Wenn Du magst, drücke nun Deine Gefühle auf kreative Art aus, mit einem Bild, einem Gedicht, singend, tanzend …

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Astrologische Anwendungen

Für Chiron’s Wirkung als astrologisches Symbol sind noch einige astronomische Tatsachen von Bedeutung:

  • Stark elliptische Bahn um die Sonne. In Sonnennähe kreuzt er nahe der Bahn von Saturn, sonnenfern befindet er sich in der Nähe der Uranusbahn. Astrologen deuten ihn somit als Vermittler zwischen Saturn und Uranus. Die erste intensive Lektion tritt ein, wenn der laufende Chiron im Quadrat (90°-Winkel) zum Radix-Chiron steht.  Je nach Geburtsjahr kann dieser Reifungsprozess mit ca. 6 Jahren bis ca. 30 Jahren erfolgen.
  • Manche Astronomen halten Chiron für einen „Besucher“, der von außen in unser Sonnensystem kam, sich nun zeitweise auf seiner Umlaufbahn um die Sonne befindet, und irgendwann vielleicht wieder geht.Wir deuten ihn als neutral, einen Außenstehenden. Chiron haftet nicht an Traditionen (Saturn) oder Vorstellungen / Ideologien (Uranus). Er akzeptiert was ist und öffnet für sinnvolle Veränderungen.

 

Saturn (Kronos) Chiron Uranus (Prometheus)

Vergangenheit

Gegenwart

Zukunft

bewahrend

öffnet für Veränderung

verändernd

Beamter, Technokrat, Lehrer, Richter Lehrer, Heiler, Philosoph, Beobachter Oppositioneller, Erfinder, Wissenschaftler, Revolutionär

konservativ

neutral

reformerisch, visionär, avantgardistisch

angepasst, „man …“

Nimmt bei notwendigen Veränderungen keine Rücksicht auf hindernde Interessen Anderer.

rebellisch, oppositionell, ideologisch, egozentrisch

Langfristige, festigende, strukturbildende Prozesse

Öffnet Türen für sanfte Veränderung, sucht geduldig nach Möglichkeiten für Verbesserungen

Plötzliche, heftige Wandlung, Katastrophe, Revolution, bahnbrechende Entdeckung

 

Soviel ergänzende Theorie… was können wir nun rausziehen, um selbst ein wenig leichter zu leben?

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Sammle Informationen über Deinen Radix-Chiron

Aus den Deutungen seiner Stellung im Tierkreiszeichen und Haus, sowie seinen Aspekten zu anderen Planeten, lassen sich bereits viele Infos entnehmen. Folge Deiner Intuition, ähnlich wie oben beschrieben, was davon Dich antriggert, und bitte auch Unangenehmes einbeziehen.

Hier kannst Du Horoskopgraphiken erstellen: www.astro.com

Deine genaue Geburtszeit kannst Du beim Standesamt Deiner Geburtsstadt erfragen.

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Literatur:

Chiron ist noch “jung” und die Literatur wächst zunehmend.  Ich kenne nur einen Teil davon, und empfehle die Bücher folgender Autoren:

Zane B. Stein, Melanie Reinhardt, Liz Greene (“Abwehr und Abgrenzung”), Lianella Livaldi Laun

Eine interessante anthropologische Abhandlung über den Mythos Chirons kannst Du hier herunterladen:    http://www.vingilot.de/myth/Chiron.pdf

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Stelle Dir vor, wie ein Teil von Dir Chiron ist

Dieser Teil ist Dein Innerer Heiler oder Dein Innerer Lehrer, bzw. beides in einer Teilpersönlichkeit. Seine Zeichenstellung sagt etwas aus über sein Haupt-Lebensthema. Seine Hausstellung gibt an, in welchem Lebensbereich er hauptsächlich wirkt.

Die Aspekte zu anderen Planeten sagen etwas über seine Beziehung zu anderen Teilpersönlichkeiten in Dir, und über Deine Beziehung zu bestimmten anderen Personen, wenn Du die Aufgaben und Bedürfnisse zu erfüllen versuchst, die Chiron an Dich stellt.

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Biographiearbeit

Zu welchen Zeiten bildete der laufende Chiron (also der Chiron, der zum jeweiligen Zeitpunkt an einem anderen Punkt im Tierkreis stand, als in Deinem Geburtshoroskop) folgende Aspekte (Winkelbeziehungen) zu Deinem Radix-Chiron? Welche Veränderungen gab es zu diesen Zeiträumen?

Sextil (60°), Quadrat (90°), Trigon (120°), Opposition (180°), Konjunktion (0°, ca. 52. Lebensjahr)

Diese Arbeit kannst Du natürlich noch weiter verfeinern. Z.B. indem Du die Transite der Langsamläufer Saturn, Uranus, Neptun und Pluto über die Radixstellung Deines Chiron untersuchst.

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Was ist das Thema Deines Chiron?

Manche Menschen wissen ziemlich gut, was ihre größte Verletzung ist, und bei welchem Thema sie am verletzlichsten reagieren. Andere wieder nicht. Um dich selbst besser zu verstehen, kannst Du Dich dieser Frage annähern, indem Du aus allen Infomationen, die Dir zu Deinem Chiron zur Verfügung stehen, die allerwichtigsten herausziehst und zu einem Bild, einer Erzählung oder Film zusammenfasst.

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Orakelarbeit:

Du kannst ein oder mehrere Orakel zusätzlich zur Astro-Analyse heranziehen. Ich nutze in meiner Praxis sehr gerne die Synergieeffekte, die aus der Kombination verschiedener Orakel entstehen. Jedes Orakel spricht eine andere Sprache und betrachtet die Welt aus einem anderen Standpunkt. Außerdem kannst Du dadurch tiefe Antworten bekommen, wenn Du Dich mit Astrologie noch nicht so ausgiebig beschäftigt hast. Stelle z.B. die Fragen:

  • Was ist das Thema meines Chiron im Zeichen … und im Haus …?
  • Was ist das Thema meiner tiefsten Verletzung?
  • Wo neige ich dazu, anderen Menschen oder der Gesellschaft die Schuld für mein Los zu geben?
  • In welchen Situationen neige ich dazu, Andere zu verletzen?
  • Bei welchem Thema lehne ich Veränderung am stärksten ab?
  • Bei welchem Thema verhalte ich mich schnell aggressiv, nachtragend oder rachsüchtig (auch gegenüber mir selbst)?
  • Wie kann ich meine Fähigkeit zum Heilen und Lehren in mein Leben integrieren?

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Körperarbeit und Schamanismus

Alles was dazu dient, uns westliche Menschen wieder zu einer stärkeren Integration von Körper und Geist zu bewegen, halte ich für heilsame Praxis im Sinne der Entwicklung des “Inneren Chiron”, also unserer Selbstheilungs- und Heilfähigkeiten. Ohne darauf im einzelnen einzugehen, gebe ich einige Stichworte mit Heiltechniken, die diesem Ziel dienen.

  • Wilhelm Reich’s Forschungen bezüglich Körperarbeit, Muskelpanzer etc.
  • Dessen Schüler Alexander Lowen und alle darauffolgenden Generationen, die “Bioenergetik” entwickelten.
  • Weitere daraus entwickelte Körperarbeit wie Esalen-Massage, Alexandertechnik etc.
  • Arbeit mit dem Unterbewusstsein inklusive Wahrnehmungstraining wie Traumarbeit, Märchentherapie, Somatic Experience, Katatymes Bilderleben, Hypnosetherapie, Neurolinguistisches Programmieren
  • Tantra, sinnliche Massage, erotische Selbsterfahrung mit spirituellem Hintergrund
  • Schamanisches Trommeln, Lomi Lomi Massage, Schamanische Reisen, Schamanische Rituale, Rückführungen, Spirituelle Clearings, Kraftplatzarbeit bzw. Feng Shui und Geomantie.

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Wichtig zu bedenken:

Da wo die größte Schwierigkeit und die größte emotionale Schwachstelle liegt, stehen meiner Meinung nach auch die ungewöhnlichsten und besten Mittel und Fähigkeiten zu ihrer Lösung zur Verfügung.

In meiner Welt steht Chiron dafür, uns zu lehren, unsere natürlichen Selbstheilungskräfte zu entfalten. Er lehrt uns also, unser natürliches Wesen zu entdecken und zu leben. Er nimmt sich das Recht, alle Hindernisse aus dem Weg zu räumen, wenn es wirklich notwendig ist, und setzt dann Heilung und Persönlichkeitsentwicklung als oberste Priorität.

Auf diesem Weg bleibt es nicht aus, dass wir uns aus mancher Situation, und von manchem Menschen verabschieden, der nicht zu uns passt. Daraus können Zeiten resulieren, in denen wir allein sind. Gleichzeitig öffnen sich Türen und es entsteht Raum für heilsame Menschen und Beziehungen, die uns auf vielen Ebenen fördern.

Ich habe festgestellt, dass der Drang, sich selbst zu verändern und in heilende Prozesse zu gehen, recht unterschiedlich ausgeprägt ist. Extremer Veränderungsdrang kann dabei ziemlich einsam machen, und wer sich nicht verändert, neigt zu starken Anhaftungen, die das Ego und die Ängste immer stärker aufblähen. Das Glück liegt dabei nach meiner bescheidenen Meinung irgendwo in der Mitte, mit Phasen der Veränderung, die durch ruhige Phasen der Festigung abgelöst werden.

 

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Das Chiron – Symbol

Die Mythologie und astrologische Untersuchungen von Chirons Symbolik weisen auf einige Kernaussagen hin, die ich hier vorstellen möchte. Sie haben mir geholfen, den Sinn meines Lebens besser zu verstehen, das ja praktisch von Geburt an von den Symptomen der Neurodermitis und der Umweltsensibilität geprägt war, teilweise verbunden mit heftigen psychischen Krisen und jahrelangen chronischen Depressionen.

Anhand dieses Symbols möchte ich gerne dazu ermuntern, die eigene Verletzbarkeit wahrzunehmen statt zu leugnen, in Zynismus zu verfallen, zu verstecken oder kompensieren, und als etwas zu betrachten, das die Persönlichkeit formt und zum Leben gehört. Chiron steht für den Umgang mit dem Schmerz. Dieser kann unsere Seele vergiften und zu allerlei (selbst-)zerstörenden Verhaltensweisen führen – oder zu einer steten Zunahme von Weisheit, Güte und Heilkraft. Jedes Wesen hat die Wahl…

 

Verletzung

Jeder Mensch trägt eine psychische Wunde bzw. Verletzung in sich. Der erste Schmerz spielt sich spätestens bei der Geburt ab, wenn die Symbiose mit der Mutter in großem Umfang aufgelöst wird. Irgendwann wiederfährt jedem Menschen eine Kränkung, die eine seelische Wunde hinterlässt, die wohl vernarben, aber niemals ganz heilen kann.

Ich finde das ist eine gute Nachricht für das Selbstwertgefühl aller chronisch symptomtragenden Menschen. Denn der Unterschied zwischen ihnen und den sogenannten Gesunden besteht lediglich in der Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit der Verwundung.

 

Was ist „krank“?

Ich vermeide absichtlich das Wort „krank“, weil es meist mechanistisch als „Fehlfunktion“ des Organismus verstanden wird. Was es in meiner Weltanschauung nicht gibt, da kein Lebewesen nach dem mechanischen „Ein-Aus-Prinzip“ funktioniert. Leider wird das mechanistische Konzept nach wie vor von vielen Wissenschaftlern und Ärzten bevorzugt. Aus dieser Perspektive resultieren viele unwürdige bis erniedrigende Situationen, in denen die chironische Wunde der Betroffenen noch zusätzlich verstärkt wird.

Ein nach meiner Meinung visionärer, und deshalb erbittert bekämpfter Mediziner, definiert Krankheit als „sinnvolles biologisches Sonderprogramm“, mit dem ein Prozess, der in der Psyche begann, auf körperlicher Ebene abgeheilt wird. Demzufolge müssen die meisten Symptome auch nicht bio- / chemisch unterdrückt werden, sondern wir können der Natur vertrauen, dass ein solcher Selbstheilungsprozess zur Gesundung führt.

Sehr anschaulich und nützlich finde ich auch die Definition meines Lehrers Walter Lübeck, der Krankheit einfach als Unfähigkeit definiert, für alles zu sorgen, was wir brauchen, um unsere privaten und beruflichen Aufgaben in freudvollem und kraftvollem Zustand ausführen zu können.

 

Schuld(-zuweisung)

Die chironische Verletzung resultiert oft aus konfliktgeladenen Umständen, auf die die verletzte Person keinen Einfluss hatte. Z.B. aus der elterlichen Ablehnung eines unehelichen Kinds. Oder gesellschaftlichen Verletzungen wie dem Holocaust. Später im Leben werden dann Situationen angezogen, die die Wunde immer wieder aufreißen. Betroffene neigen deshalb dazu, andere Menschen oder die Gesellschaft für das eigene Leid verantwortlich zu machen.

Das ist verständlich, aber andererseits können wir keine Heilungsbereitschaft aufbauen, wenn wir nicht bereit sind zu vergeben und vergessen. Das geht dann, wenn wir akzeptieren, dass sich unsere Seele genau diese Lebenssituation ausgesucht hat, um sich optimal entfalten zu können.

Schuldzuweisungen führen in der Regel zur Ablehnung von Verantwortung für die eigene Befindlichkeit. Leider wurden Schuldgefühle in der christlichen Kultur massiv geschürt, was letztlich zur Abgabe der Macht über das eigene Leben an herrschende Institutionen wie den Papst, den Pfarrer, den Staat und seine Vertreter, den Lehrer und den Arzt führte. Ich habe unzählige Menschen – einschließlich mir selbst – in Tests erlebt, bei denen Glaubenssätze wie „Ich erlaube dem Papst, mein Leben zu bestimmen“ nachgewiesen wurden. Auch Menschen, die nicht getauft waren und sich für unreligiös hielten.

Chiron verfiel nicht in Selbstmittleid, sondern suchte nach Mitteln der Linderung. Darüber vergrößerte er sein Wissen in den Heilkünsten. Auch seelische Wunden können mit natürlichen Heilmethoden behandelt werden. Ich wünsche mir, dass jeder Mensch im nahen Familien- oder Freundeskreis jemanden hat, der solche Methoden kennt. Oft sind gerade diejenigen die Heiler, die einen prominenten Chiron im Geburtshoroskop aufweisen, mit einer besonders intensiven Verwundbarkeit und Verletzungsproblematik.

 

Zurückweisung

Der Mythos erzählt von der Abwesenheit des Vaters und Verstoßung Chirons durch die Mutter. Nun hätte Chiron zum Frauenhasser werden können, doch das war nicht der Fall. Er ließ sich auf die Liebe ein, und heiratete die Quellnymphe Chariklo, mit der er mehrere Kinder zeugte und ein glückliches Leben führte. Das weißt darauf hin, dass der soziale Kontext unserer Verwundung auch das Heilungspotential beinhaltet.

Allerdings kann es auch notwendig sein, zeitweise oder für immer, dass die Ursprungsfamilie oder das ganze Mileu verlassen werden muss. Verwundung führt zu einer besonderen Anhaftung an die Person, die sie zugefügt hat.

Es gibt heilende Beziehungen, bei denen bestimmte Aspekte der Verwundung geheilt werden können. Ebenso gibt es verletzende Beziehungen, bei denen ähnliche Strukturen und Verhaltensweisen vorherrschen, die in der ursprünglichen verletzenden Beziehungsstruktur vorhanden waren. Der heilende wie der verletzende Aspekt können kombiniert auftreten, und manchmal zu extremen Abläufen führen.

In einer anderen Version des Mythos kehrt Chirons Mutter zu ihm zurück und lebt zusammen mit seiner Familie in der Höhle. Ein Symbol für die Integration der hellen (Chariklo) und dunklen Seite (Phillyra) der Weiblichkeit in die Persönlichkeit.

 

Gewalt

Chiron steht für starke archaische Triebkräfte, die zu gewaltigen Selbstheilungskräften werden können, wenn die Verletzung angenommen wird. Oder zu gewalttätigen Ausbrüchen, wenn wenn kein sinnvoller Umgang mit Wut und sexueller Energie gefunden wird.

 

Warten

Nicht Du sollst entscheiden, Deine Seele kann das besser. Vor allem, wenn Du sie nicht mit Zweifeln, Selbstdefinitionen und falschen Illusionen zuschüttest. Das Geheimnis liegt darin zu sagen „Ich warte“. Deine Seele wird eine Entscheidung treffen wenn das so nötig ist.

Die chironische Verletzung kann niemals völlig aufgelöst werden, und sie kann nicht schnell gelindert werden. Sie kann nur befriedet werden, indem sie als Bestandteil des eigenen Lebens akzeptiert, und mit Geduld liebevoll versorgt wird. Auf diese Weise, in einer abwartenden Haltung, sorgt unsere innere Heiler-Teilpersönlichkeit, unser Chiron, in rhythmischen Abständen für heilende Impulse und Gelegenheiten. Gerade das Abwarten, das Aushalten und akzeptieren der Wahrheit unserer Identität, kann uns zu heilen und für Andere heilsamen Persönlichkeiten reifen lassen.

 

Der verletzte Heiler – Der Schamane

Ersteres Stichwort wird in vielen astrologischen Texten als Charakterisierung Chirons gewählt. Offenbar macht uns die eigene Verletzung zum Heiler, doch zumindest schafft sie, wenn wir wollen, einen Weg der Gleichheit, von Verständnis und Mitgefühl unter uns Menschen.

Die Integration animalischer Anteile, wilder, aggressiver, sexueller Energien und Primärbedürfnisse schlagen genauso eine Brücke zu schamanischer Praxis, wie der Umgang mit Schmerz. Er wird in vielen schamanischen Initiationen genutzt, um Einheit herzustellen, aus der letztlich alle Heilkräfte bezogen werden. In meiner schamanischen Praxis pflege ich intensiven Kontakt zu Tiergeistern, den Krafttieren. Sie sind weise, humorvoll, liebevoll und mächtig. Sie erinnern mich oft an Kinder, die noch ganz selbstverständlich mit den animalischen Kräften umgehen können. Nicht umsonst heißt es in vielerlei Quellen „Werdet wie die Kinder“. Sie sind oft wahre Meister der Vergebung, der Liebe und Hingabe an das Leben.

Da der Text ziemlich lang geworden ist, werde ich in einem dritten Teil auf meine Praxis mit chironischen Strukturen eingehen.

Hier schließe ich nun ab mit einem Satz von Walter Lübeck (sinngemäß):

Wenn Du die Wahl hast, mit 300 km/h durch die Landschaft zu rasen, immer vorbei an den wichtigen Zielen, oder in die richtige Richtung zu kriechen, dann krieche!“

Als ich mit kriechen begann, war ich fast 30 Jahre alt und der laufende Chiron bildete einen 135°-Winkel zum Chiron in meinem Geburtshoroskop. Das war vor rund 15 Jahren, und mittlerweile kann ich sagen, dass ich nicht mehr krieche, sondern schon aufgestanden bin, und gemessenen Schrittes meinen Weg gehe. Rasen will ich nicht mehr, wozu auch und wohin? Nun gut, zumindest nicht immer 😉 Die Schönheiten des Lebens wollen genossen werden, und das hat seine angenehme Zeit, und zwar jetzt, jeden Tag.

 

 

Chiron – Der Mythos

In der modernen Astrologie gilt Chiron, ein 1977 entdeckter Planetoid, als Archetyp des Inneren Heilers. Durch den vergifteten Pfeil seines Schülers und Freunds gilt er als Symbol für die unheilbare Verletzung, die jedes menschliche Wesen in sich trägt. Als Zentaur, ein Mischwesen aus Pferd und Mensch, lehrt er die Integration archaischer bis animalischer Kräfte in die menschliche Psyche. Ich erzähle in diesem Teil den Mythos Chirons, und in einem weiteren Artikel einige Anwendungen, Einsichten und Erfahrungen mit offenen Wunden, vergifteten Pfeilen und meiner Heiler-Teilpersönlichkeit.

 

 Rolf Handke  / pixelio.de

Rolf Handke / pixelio.de

 

Doch solange wir das Wesen unserer Wunde nicht verstehen, können wir sie auch nicht heilen.“ Liz Greene

In alter Vorzeit, noch bevor sich die Götter im Olymp eingefunden hatten, machte der Titan Kronos sich auf den Weg, seinen Sohn Zeus zu finden, den dessen Mutter Rhea vor ihm versteckte. Denn Kronos hatte zuvor bereits alle ihre gemeinsamen Kinder verschlungen, aus Angst, von ihnen entmachtet zu werden. So befanden sich zu dieser Zeit Göttinnen und Götter des späteren goldenen Zeitalters, Hestia, Demeter, Hades, Hera und Poseidon, im Bauch ihres Vaters Kronos.

Auf seiner Suche verliebte sich Kronos in die Nymphe Phillyra. Da sie jedoch nicht mit ihm schlafen wollte, vergewaltigte Kronos sie. Doch in dem Augenblicklich, als er seinen Samen verströmte, ertappte ihn seine Frau Rhea. Damit sie ihn nicht erkennen konnte, verwandelte sich Kronos in ein Pferd.

Vor Scham, auf frischer Tat ertappt worden zu sein, flüchtete Kronos nach vollzogenem Beischlaf, und verließ Phillyra für immer. Diue Nymphe schämte sich ebenfalls über die erlittene Vergewaltigung. Aus der Zeugung ging Chiron hervor, dessen Erscheinung Phillyra als so hässlich empfand, dass sie ihn verstieß. Denn ihr Kind war ein Kentaur, mit dem Leib eines Pferdes und menschlichem Oberkörper. So lebte Chiron in der Abgeschiedenheit einer Höhle, zusammen mit seiner Frau.

Anders als seine Artgenossen, die sterblichen Kentauren, für ihre Wildheit und schwer zügelbare Triebhaftigkeit berüchtigt, war der göttliche Chiron von sanftmütigem Wesen, hoher Weisheit und gerecht. Er wurde von Apollon in vielen Künsten unterrichtet, um schließlich selbst als Lehrer und Erzieher vieler Helden hohes Ansehen zu erwerben.

So auch Herakles, der nach seiner Erziehung in Chirons Höhle sein königliches Erbe antreten wollte. Als Bedingung stellte sein regierender Onkel ihm mehrere Aufgaben, um sich als König würdig zu erweisen. Auf dem Weg zur Erfüllung seiner vierten Aufgabe, der Jagd auf den erymanthischen Eber, fand sich Herakles wieder in der Heimstatt Chirons, und die beiden Freunde freuten sich sehr über das Wiedersehen.

Der Königsohn war durstig, doch Chiron hatte nur ein Fass Wein, das Dionysos für alle Kentauren gestiftet hatte. Herakles bestand auf den Tropfen, und so öffnete Chiron das Fass und sie tranken. Angelockt vom Duft des Weins fand sich eine Schar Kentauren ein, rasend vor Wut. Herakles tötete viele von ihnen und während er im Wald die Verfolgung einiger Flüchtiger aufnahm, wählte er einen Pfeil, den er mit dem Blut der Hydra vergiftet hatte. Mit ihm durchschoss er den Körper eines Kentauren, und danach fand der Pfeil sein Ziel im Bein seines Lehrers Chiron.

Das Gift der Hydra war tödlich, doch als Unsterblicher musste Chiron unsägliche Schmerzen ertragen. Der bestürzte Herakles versprach dem Freund, alles zu geben, damit er schließlich sterben könne. So lebte Chiron viele Jahre, forschte, experimentierte und entdeckte viele Heilmittel. Er lernte, mit dem Schmerz zu leben und fand Wege heraus, das Leiden zu lindern oder manchmal sogar ganz zu vergessen. Trotzdem kostete ihn die Wunde viel Kraft und er wünschte sich zu sterben, nach seinem langen und erfüllten Leben.

Eines Tages begegnete der reisende Herakles dem Prometheus. Der Titan war seit langer Zeit mit unzerstörbaren Ketten an den Berg Kaukasus geschmiedet, zur Strafe für seinen Raub des Feuers, das er gegen den Willen der Götter dem Menschengeschlecht geschenkt hatte. Zeus‘ Bedingung für seine Befreiung war der freiwillige Tod eines Anderen. Herakles erkannte die Gelegenheit und bot Zeus das Leben des leidenden Chiron an. Der Obergott, mittlerweile besänftigt durch Prometheus‘ lange und qualvolle Gefangenschaft, willigte ein. So kam Prometheus frei, nur noch an den Berg gebunden durch einen Ring, auf dem ein Stück Fels vom Kaukasus gefasst wurde.

Chiron durfte seine Unsterblichkeit abgeben und starb. Zeus war so voll Bewunderung für den Charakter und die Göttlichkeit Chirons, dass er ihm die Unsterblichkeit zurückgab, indem er ihn fortan als Sternbild Schütze den Himmel bewohnen ließ.

 

 


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