Auflösung und Neubeginn – Evolution meiner Gesundung Teil 8

Nach dem ersten Aufenthalt am Toten Meer war ich sehr glücklich über meinen tollen Hautzustand. Neben der Erscheinungsfreiheit in Bezug auf die Ekzeme ist auch die Pigmentierung angeregt worden. Das bewirkte dass ich fortan regelmäßig Besserung erfuhr wenn ich an die Sonne ging. Ich wurde schnell braun und konnte nach kurzer Eingewöhnungsphase ohne Probleme mehrere Stunden in der Sonne. Die Erscheinungsfreiheit hielt einige Monate, so dass ich die Prüfungszeit, in der meine letzten Diplomprüfungen anstanden von dieser Seite einigermaßen Ruhe hatte. Allerdings kehrten Entzündungen und Juckreiz langsam wieder zurück, so dass ich für Mai des darauffolgenden Jahres eine weitere Klimaheilbehandlung beantragte.

Hinsichtlich der Neurodermitis gab es langfristig also einen Lichtblick. Mein psychischer Zustand war in dieser Zeit allerdings noch sehr labil. Das Studium neigte sich dem Ende zu, meine Freundin suchte sich eine eigene Wohnung und ich war depressiv und unsicher wie es weitergehen sollte. Ich hatte viele Ängste und war es gewohnt, dass meine Eltern für meinen Unterhalt sorgten. Mein angeknackstes Selbstbewusstsein signalisierte mir ständig, dass ich dem Architekturberuf nicht gewachsen sei. Trotz meines Wunsches nach Autonomie blieb ich innerlich weiterhin abhängig.

Ich hatte aber auch Glück. Durch einen Freundin lernte ich noch 1998, vor meinem Abschluß an der FH Würzburg, einen selbständigen Architekten kennen. Bei ihm konnte ich als studentischer Mitarbeiter einsteigen. Ich arbeitete nach der Kur einige Tage probeweise für ihn und bereitete mich dann auf die verbleibenden Diplomprüfungen vor. Unsere Zusammenarbeit gefiel ihm, und so konnte ich nach dem Studium freiberuflich einsteigen. Dadurch erübrigten sich Vorstellungsgespräche und die Erstellung der bei Architektur-Ingenieuren obligatorischen Bewerbungsmatte mit Arbeitsproben.

Ein Jahr lang konnte ich von den Einkünften aus der freien Mitarbeit gut leben.Doch nach und nach gingen die Aufträge zurück, so dass ich nur noch sporadisch regulär bezahlte Aufträge bearbeiten konnte. In der freien Zeit arbeitete ich mich ohne Bezahlung in Graphiksoftware ein und bearbeitete Entwürfe für die Schublade. Ich hatte zwar gute Erfahrungen gemacht in der Arbeit und mein Chef war zufrieden. Trotzdem fehlte mir der Mut und Optimismus, mich für eine Festanstellung zu bewerben. Beim Versuch, meine Bewerbungsmappe zusammenzustellen, hatte ich so starke Widerstände dass ich schließlich aufgab. Ich sträubte mich heftig gegen die Veränderung, klammerte mich an meinen Auftraggeber, mit dem ich mich duzte und den ich eher als Freund betrachtete, und hoffte einfach weiter auf neue Aufträge. Doch die wurden immer kleiner und seltener, und ich geriet mit der Zeit in finanzielle Schwierigkeiten.

Also suchte ich mir einen Nebenjob, und fand eine Stelle die mir gefiel. In einem alternativen Kulturzentrum, das viele Konzerte und Discos veranstaltete. Ich plakatierte im Würzburger Umland, und arbeitete mich in die Lichtanlage ein. So wurde ich Lichtjockey und Beleuchter für Konzerte, eine Tätigkeit die mir ziemlich Spaß machte und zu meinem Lehrberuf Elektroinstallateur und meinem Hobby Musiker passte. Es hatte außerdem den Vorteil, dass ich zu sämtlichen Veranstaltungen kostenlosen Zutritt hatte, und das nutzte ich ausgiebig aus. Denn das gebotene hochwertige Konzertprogramm traf oft meinen Geschmack, und viele der Parties gefielen mir ebenfalls bestens. So rückte die Architekturkarriere immer mehr in die Ferne, und ich folgte meinem Gefühl, in Punkto Parties einiges nachholen zu wollen. So stieg auch mein Cannabiskonsum ziemlich stark an.

Ich bemerkte nicht, dass meine Probleme stark durch meine Empfindlichkeit verursacht waren, durch die mir viel Kraft verloren ging, weil sie nicht gezielt genug zum Einsatz kam. Und dass Cannabis mich noch weiter öffnete und die Empfindlichkeit stark steigerte.

Später, als ich es längst aufgegeben hatte, rauchte ich einen Joint und stellte dann fest, dass ich rund 5 Tage davon beeinflusst war, mit emotionaler Empfindlichkeit, Trägheit und Gleichgültigkeit. Zu dieser Zeit war ich dauerhaft unter dem Einfluss und vertranced. Ich schwebte in gewisser Weise, fühlte mich innerlich aber schwer und belastet. Und ich war frustriert weil ich spürte dass ich mein Studium, das mich soviel Kraft gekostet hatte, nicht in dem Maße umsetzen konnte dass es zum Leben gereicht hätte.

Damals war meine Einstellung, dass es leichter gehen musste, und dass mein Leben eben anders lief, als es nach konventionellen Vorstellungen zu laufen hatte. Ich hatte eine große Sehnsucht nach Erleichterung und entwickelte nach und nach ein spirituelles Selbstbewusstsein, verbunden mit dem Gefühl, dass mein Körper nicht alles war. Trotz allem erhielt ich aus dem Bekanntenkreis einen schönen Auftrag. Die Umbauplanung einer alten, hochwertigen Scheune in ein Wohnhaus. Dieses Projekt zog ich unter meiner eigenen Regie innerhalb eines Jahres durch, es war gewissermaßen meine Feuertaufe für selbständiges Arbeiten. Und das Ergebnis konnte sich sehen lassen.

In den Jahren 1999 und 2000 machte ich 2 weitere Kuren am Toten Meer. Die erste im Frühjahr brachte wieder ein hervorragendes Ergebnis und die zweite trat ich leider zu spät an, erst im Oktober. Da war die meiste Zeit bewölkt, so dass meine Stellen zwar heilten, aber ohne die tiefgehende Bräune und das langanhaltende Wohlgefühl das durch die Sonne kam. Trotzdem brachten mir diese 3 Kuren, zusammen mit meinen Selbstheilungs-Behandlungen das Ergebnis, dass ich mit nur einer Unterbrechung von 2 Wochen Dauer, bis 2012 komplett ohne Kortison auskam!

Die Auflösung meiner gewohnten Lebensstrukturen begann 1999 mit der räumlichen Trennung von meiner Partnerin. Zum ersten Mal wohnte ich allein in einem 1 Zimmer-Apartement. Ende 1999 beendete meine Partnerin nach über 7 Jahren die Beziehung. Ich brauchte lange, um diese Tatsache anzunehmen. Im Jahr 2000 kamen wir nochmals zusammen, um einige Monate später endgültig zu merken, dass nichts mehr ging. 2000 zog ich in eine WG zu einem Freund und beschäftigte mich häufiger mit Astrologie und esoterischen Grundlagen wie die Tabula Smaragdina, senkrechtes Denken und ganzheitliche Psychosomatik mit Autoren wie Thorwald Dethlefsen, Rüdiger Dahlke u.a. 2001 wurde daraus fast ein Vollzeitstudíum.

Ende 2000 geriet ich morgens nach einer Partynacht mit dem Auto in eine Polizeikontrolle. Die Konsequenz war eine Hausdurchsuchung, Führerscheinentzug und Monate später die Medizinisch Psychologische Untersuchung. Ich hatte mich auf die Untersuchung vorbereitet und meinen Cannabiskonsum schon Wochen vorher aufgegeben, mit dem Ergebnis dass ich den Führerschein bereits nach der ersten MPU wieder bekam. Das war das Ende meines Drogenkonsums.

Im Frühsommer 2001 erhielt ich meine Reiki-Einweihung. Im Herbst 2001 lernte ich über das Internet meine Münsteraner Freundin kennen. Innerlich hatte ich zu diesem Zeitpunkt bereits einen Schlussstrich unter meine Würzburger Zeit gezogen und wollte völlig neu beginnen. Im April 2002 zog ich nach Münster und hatte einen umfassenden Neubeginn.

4 Responses to “Auflösung und Neubeginn – Evolution meiner Gesundung Teil 8”


  1. 1 doktorbusch März 5, 2013 um 9:29 pm

    Mit Neurodermitis und Cannabis habe ich auch Erfahrungen.
    Allerdings mit umgekehrten Ergebnis. Ich hatte ab meinem 10. Lebensjahr beginnend Neurodermitis an den Unterarmen, Ellenbogen- und Kniegelenken. Ausserdem einen starkt ausgeprägten Heuschnupfen (Gräserallergie). Mit 19 Jahren habe ich durch „falschen“ Freundeskreis angefangen zu kiffen… anfangs wenig, später mehr, viel später noch mehr!

    Was soll ich sagen: Sowohl meine Neurodermitis als auch meine sonstigen Allergien verschwanden…(!!!) Miit 24 Jahren habe ich aber selber mit dem Kiffen aufgehört, weil ich sonst mein Leben nicht mehr auf die Reihe gekriegt hätte. Genau wie bei Dir: Studium und sonstige Probleme!

    Naja, ich habe dann ziemlich bald mein Studium geschmissen und einen Beruf erlernt, der mich wirklich „ausfüllt“, habe meine spätere Frau kennengelernt, habe mittlerweile zwei gesunde Kinder…

    Als erstes kamen die Gräserallergien wieder… Mit 28 Jahren kam die Neurodermitis zurück, weil sich die Dinge in meinem Leben nicht ganz so entwickelten wie es meiner Psyche zuträglich gewesen wäre…

    Neurodermitis ist meines Erachtens zu mehr als 75% psychisch bedingt!

    Das Jucken an den Armen und Beinen habe ich jetzt zwar weg, dafür sind es jetzt die Augenlieder und die Handaußenflächen… Ich merke selber,dass es an „mir“ liegt, wenn ein „Schub“ kommt und kann mittlerweile damit umgehen (auch ohne Cannabis).

    Aber: Als ich vor 5 Jahren einmal in Amsterdam war, da konnte ich mich dann doch nicht zurückhalten: Nach ca. 24 Stunden „dauerbreit“ waren meine Handflächen ekzemfrei!!! Sowas hatte ich NOCH NIE erlebt! Klar war noch eine gewisse Rötung zu sehen, aber im Vergleich zu vorher: NICHTS!!!

    Naja, ich bin jedenfalls trotz allem „cannabis-frei“, aber hauptsächlich wegen der Familiie und der (künstlichen) Illegalität… Wer will schon gern als „Drogenjunkie“ bezeichnet werden?

    Was ich aber hier sagen muss: Für manche Menschen kann Cannabis durchaus eine „heilende“ Wirkung haben, jedenfalls solange man es nimmt. Meine Symptome kamen nach dem „Absetzen“ der „Droge“ jedenfalls ziemlich schnell wieder…

    • 2 Maracuna März 6, 2013 um 10:46 am

      Aloha doktorbush,

      das ist spannend. Ich hatte auch vereinzelte Spontanheilungen nach intensivem Cannabiskonsum. Die waren jedoch nicht reproduzierbar. In vielen Fällen wurde der Juckreiz sogar noch schlimmer, sobald ich runterkam. Also niemals eine so heilsame Wirkung auf die Neuro wie Du es beschreibst.

      „Neurodermitis ist meines Erachtens zu mehr als 75% psychisch bedingt!“

      Definitiv gibt es in meinem Leben eine Reihe psychischer Faktoren, die eine Besserung oder Verschlechterung verursachen können. Ich denke auch, dass jede sogenannte Krankheit eine psychosomatische Dimension hat. Ich schreibe „sogenannte Krankheit“, weil ich der Ansicht bin, dass Krankheiten kein „Schaden in der Mechanik Mensch“ sind, wie es uns die leider immer noch dominante mechanistische Richtung der Medizin vermittelt. Sondern es ist die bestmögliche Reaktion, die der Organismus Mensch auf die bestehende Situation entwickeln kann.

      Naja, ich bin jedenfalls trotz allem “cannabis-frei”, aber hauptsächlich wegen der Familiie und der (künstlichen) Illegalität… Wer will schon gern als “Drogenjunkie” bezeichnet werden?“

      Ja da leben wir in einer Welt der Doppelmoral. Ich höre bei Dir aber auch raus, dass Du psychisch noch nicht weg bist. Ich habe kürzlich das Selbe bei mir entdeckt. Dass ich nämlich, nach 12 Jahren Abstinenz, immer noch ein gewisses Verlangen verspüre auf einer tiefen Ebene. Das finde ich schade denn es kostet Energie. Es zeigt aber auch, wie tief sich die psychische Abhängigkeit in einen hineingräbt.

      • 3 doktorbusch März 6, 2013 um 5:08 pm

        Da spricht der feinfühlige Mensch aus Dir wahre Worte! 😉
        „Weg“ bin ich (noch) nicht vom Hanf… aber MUSS ich das denn?

        Der FREIE WILLE (göttliches „Trademark“) gesteht es mir zu, selbst FÜR MICH zu entscheiden. Es sind aber leider ANDERE, die meine Entscheidungen beeinflussen. „Andere“, die keinen Respekt vor dem FREIEN WILLEN haben…
        Ich nehme aber mittlerweile Rücksicht auf diese „anderen“ – aus Respekt!
        Das hat mir persönlich schon viel gebracht: Ich habe Frieden mit den Menschen geschlossen…

        Momentan BRAUCHE ich keine pflanzlichen Cannabinoide, um „gesund“ zu sein, sollte es aber jemals zu einer Situation kommen, wo ich mich wieder entscheiden MUSS, dann weiß ich HEUTE noch nicht, WIE ich mich entscheiden werde.

        Ich finden Deinen Blog sehr inspirierend und habe mir vorgenommen öfters mal vorbeizuschauen.

      • 4 Maracuna März 6, 2013 um 6:14 pm

        Danke, bist immer willkommen. Nein ich unterstelle Dir kein „muss“. Wenn ein Mensch Verantwortung tragen kann, gibt es überhaupt kein muss. Sondern nur den freien Willen, der allerdings auch Wahlmöglichkeiten voraussetzt. Wer ist schon frei von Abhängigkeiten, und warum sollte das erstrebenswert sein? Ist es für mich gar nicht. Übertriebene Unabhängigkeit führt zur sozialen Isolation, und das ist ebenfalls ein wachsendes Übel in unserer Gesellschaft.
        Insofern nehme ich mir auch kein Urteil heraus, solange ich nicht in den Mokassins des Anderen gelaufen bin. Allerdings halte ich es für entscheidend, von wem ich abhängig bin, und ob die Abhängigkeit nach fairen Regeln abläuft. Die Regeln bestimmt letztlich mein Gewissen und sonst keiner.


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